Start Business As Usual Verstaatlichung des OMV-Gasvertriebs: Das hätten sie wohl gern

Verstaatlichung des OMV-Gasvertriebs: Das hätten sie wohl gern

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Es wäre sicher nicht das erste Mal, dass smarte Manager den österreichischen Staat über den Tisch ziehen und einen Deal zu Ungunsten der Steuerzahler einfädeln wollen. Um nichts anderes handelt es sich, wenn die OMV-Chefetage ihr Gasvertriebsgeschäft nun so bereitwillig der Republik zur Verstaatlichung anbietet. Die Sicherheit der Gasversorgung des Landes könne so besser garantiert werden, heißt es. Das tönt mitten in der Energiekrise wie Musik in den Ohren vieler oft so kurzsichtiger heimischer Politiker. Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber: Ein wirklich schlechtes Geschäft wäre das für Österreich.

Das vermeintlich so selbstlose Angebot der OMV ist geeignet, dem Konzern zum Nachteil der Steuerzahler einen Vorteil zu verschaffen. Das Gasvertriebsgeschäft hängt der OMV jüngst wie ein Klotz am Bein, liefert derzeit einen Neunmonatsverlust von über 200 Millionen Euro. Und viel besser wird es wohl nicht mehr werden. Der Ausstieg aus Gasheizungen ist in Österreich so gut wie beschlossene Sache – ein potenter Umsatzbringer fällt damit irgendwann weg. Die Industrie sieht sich ebenfalls um Alternativen um. Gleichzeitig ist die OMV in einem unsinnigen Vertrag mit Russland bis ins Jahr 2040 gefangen, den komplex denkende Manager wohl eher nicht unterschrieben hätten. Tritt die OMV ihren Gasvertrieb jedenfalls an die Republik ab, wird sie damit eine künftige Leiche los. Verkaufen kann man so ein Geschäft an niemanden mehr.

Österreich wäre also ein willkommener Übernehmer – gerade noch rechtzeitig, bevor der Wert ins Bodenlose sinkt. Und selbstverständlich würde “Verstaatlichung” in der OMV-Denke nicht bedeuten, alles wird einfach an die Republik übergeben. Die OMV will wohl einen guten Preis, an 55 Millionen Euro wird dem Vernehmen nach gedacht. Am Markt ist so eine Summe kaum mehr lukrierbar. Wer würde schon ein Geschäft übernehmen wollen, das einerseits wegen künftiger Klimagesetze in der aktuellen Form ein Auslaufmodell darstellt – und andererseits in den Fesseln eines Langfristvertrages mit einem Schurken- und Terrorstaat festhängt? Ein Geschäft, das die Vergangenheit darstellt, während erneuerbarer Strom und Wasserstoff die Zukunft sind? Natürlich würde das niemand wollen.

Außer vielleicht Österreich. Man muss lediglich den naiven Wirtschaftspolitikern vorbeten, dass die Versorgungssicherheit gefährdet ist. Und schon denken sie darüber nach. Doch die Übernahme des OMV-Gasvertriebs wäre das Dümmste, was sie tun können.

Es gibt viele andere Wege, Versorgungssicherheit zu gewährleisten, die noch dazu ohnehin in keiner Weise wirklich gefährdet ist. In der ÖBAG, wo die staatlichen Beteiligungen verwaltet werden, sollte man statt über eine Verstaatlichung des OMV-Gasvertriebs lieber darüber nachdenken, wie man OMV-CEO Alfred Stern zur Räson bringen könnte, der womöglich die Interessen nicht aller seiner Aktionäre gleich im Auge hat. Dem Staat und damit uns allen gehören 31,5 Prozent der OMV. Der Rest gehört dem Investor MPPH aus Abu Dhabi (24,9 Prozent), den OMV-Mitarbeitern (0,5 Prozent), oder befindet sich in Streubesitz, zum Beispiel in den Portfolios diverser Fonds und anderer institutioneller Anleger (43,1 Prozent).

Dem Aktionär Österreich ernsthaft den Vorschlag zu unterbreiten, sich quasi selbst einen Geschäftsbereich ohne jede Zukunft um teures Geld abzukaufen – und damit nicht einen dem eigenen Aktienpaket entsprechenden künftig zu erwartenden Teilschaden, sondern den Gesamtschaden zu tragen und damit die anderen Aktionäre schadlos zu halten: Das stellt schon eine ordentliche Chuzpe dar. Das würde – nur noch einmal in aller Klarheit – bedeuten: Verluste und Wertberichtigungen aus einem künftig maroden Gasvertriebsgeschäft tragen nicht die OMV-Aktionäre in ihrer Gesamtheit – also nicht die Scheichs in Abu Dhabi, nicht die Pensions- und Investmentfonds, nicht die OMV-Mitarbeiter im Besitz von Aktienpaketen, und auch nicht die restlichen Kleinaktionäre. Sondern nur einer: die Republik Österreich. Also wir, die Steuerzahler.

Wir hätten den Gasvertrag mit Russland am Hals. Wir müssten mit langfristig sinkenden Abnahmemengen durch Industrie und Privathaushalte zurecht kommen, weil des Klimaschutzes wegen alle raus aus Gas wollen. Uns gehörte ein Geschäftsfeld, das in dieser Form keiner mehr will oder braucht, weil es keine Zukunft hat, und das daher nichts wert und somit unverkäuflich ist. Die OMV hingegen mit ihren Investoren aus dem Nahen Osten, mit ihren institutionellen Anlegern von der Wall Street und sonstwo, und mit ihren eigenen Mitarbeitern: Die wäre fein raus. Das hätten sie wohl gern. +++

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Klaus Puchleitner arbeitete lange Jahre als Wirtschafts- und Innenpolitikjournalist für die Magazine FORMAT, trend und Industrie. Heute lebt er als freier Autor in Graz und Mondsee und schreibt für Medien wie trend, freizeit-Kurier, profil, bestseller oder Horizont über Wirtschaft, Reise, Politik und alle möglichen weiteren Themen. Puchleitner ist auch als Ghostwriter und Sachbuchautor tätig.