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Advent ante portas: Die große Weihnachtsbrauch-Übersicht

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Der Advent- und die Weihnachtszeit sind auch die Zeit der vielen alten Bräuche – vom Adventkranz bis zum Christbaum gibt es im deutschen Sprachraum Hunterre davon.

Bräuche sind uns Österreichern in der Weihnachtszeit heilig. Hunderte gibt es im ganzen Land. Manche alt und beschaulich, manche jung und turbulent. Eine kurze Weihnachts- und Adventbrauch-Übersicht.

Verschneite Wälder, Christbäume, strahlende Kinderaugen, vor allem traditionelle Bräuche: Weihnachten ist in Österreich nicht nur die Zeit der Stille, sondern auch der Besinnung auf Althergebrachtes. Da werden von kleinen und auch größeren Kindern etwa immer noch Briefe ans Christkind geschrieben, idealerweise abgestempelt im weltweit einzigartigen Christkindlpostamt in der Nähe der Stadt Steyr. Ein Baum wird – wenn man die Möglichkeit dazu hat – im Wald geschnitten oder bei einem der vielen Christbaumverkäufer gekauft. Die Christmette wird ebenso besucht wie Krippenspiele. “Stille Nacht, Heilige Nacht” wird gesungen, Geschenke werden ausgepackt. Im Prinzip feiern die Österreicher Weihnachten heute nicht viel anders als vor fünfzig oder auch hundert Jahren.

Alles beginnt üblicherweise mit dem Adventkranz. Pünktlich am ersten Adventsonntag wird zu Hause, am Arbeitsplatz oder sonstwo die erste Kerze entzündet – der Startschuss in die Weihnachtszeit. Dann folgen viele von uns bis zum Heiligen Abend Bräuchen, von denen manche Wurzeln haben, die Hunderte Jahre zurück reichen. Andere wiederum sind erst in den vergangenen Jahrzehnten entstanden, wie eben der Adventkranz.

Der Grazer Brauchtumsforscher Kriechbaum kennt sich mit Advent- und Weihnachtsbräuchen aller Art aus.

 Tradition und Kommerz 

Mit traditionellen oder weniger traditionellen Weihnachtsbräuchen ist das ohnehin so eine Sache. “Sie stehen nicht wie Denkmäler auf einem Sockel”, sagt der Grazer Brauchtumsforscher Reinhard Kriechbaum, der schon mehrere Bücher zum Thema Weihnachtsbräuche geschrieben hat. Vieles hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von stiller Weihnachtsstimmung und Beschaulichkeit in Richtung Kommerz und Lärm verändert. Stichwort Krampusumzüge und Christkindlmärkte. Auch neue Weihnachtsbräuche sind entstanden, selbst wenn wir sie oft noch gar nicht als solche wahrnehmen. Doch seien wir ehrlich: Was ist das kollektive Großeinkaufen von Geschenken am Marienfeiertag, dem 8. Dezember, anderes als ein Weihnachtsbrauch: Es hat mit Weihnachten zu tun, fast alle tun es, und fast alle wiederholen es jedes Jahr. Wenn das kein Brauch ist, was dann?

Brauchtumsforscher Kriechbaum will auf keinen Fall werten. Er definiert einen Weihnachtsbrauch als “etwas, das viele tun, aus dem ein Gemeinschaftsgefühl entsteht und das in bereichernd wirkt, also Spaß macht”. Und selbstverständlich muss es mit Weihnachten zu tun haben. Vor allem die soziale Grundfunktion des Gemeinsamen ist dabei wichtig, egal ob alle einkaufen oder neben dem Christbaum alle Stille Nacht singen.

Und wie gesagt: Bräuche ändern sich kostant. Die meisten unserer klassischen Weihnachtsbräuche gehen auf sogenannte “Bettelbräuche” zurück – in irgendeiner Form wurde dabei immer etwas von Wohlhabenderen an Ärmere verschenkt. Auch beim Einkaufen am Marienfeiertag steht letztendlich der Gedanke des Gebens hinter allem.

 Singen und Tauchen 

Die gängigsten Weihnachtsbräuche – dabei gilt die Zeit vom ersten Adventsonntag bis zum Dreikönigstag als relevant – sind der Adventkranz, das Einfrischen von Barbarazweigen und der Nikolaus samt seinem Antipoden, dem Krampus. Dazu das “Anklöpfeln”, das vor allem am Land stattfindet und es sogar auf die Unesco-Weltkulturerbeliste geschafft hat. Außerdem natürlich die Weihnachtsgeschenke samt ihrem Einkauf, das Absingen von “Stille Nacht, Heilige Nacht” beim Christbaum, der Besuch der Christmette und das Dreikönigssingen.

Der Brauch aller Bräuche, der Christbaum, ist noch gar nicht so alt, wie mann glauben möchte. am Traunsee wird sogar danach getaucht.

Es gibt zu Weihnachten aber auch Missverständnisse: Der Weihnachtskarpfen oder die Weihnachtsgans sind zum Beispiel Fake News – es gibt sie als Brauch gar nicht, zumindest nicht hierzulande. Zwar tischen manche Familien, vor allem im Waldviertel, am Heiligen Abend sehr wohl einen Karpfen auf, manche auch eine Gans. Durchgehend in ganz Österreich findet das jedoch nicht statt. Sehr wohl ein Brauch ist es hingegen, zu Weihnachten im Familienkreis gemeinsam zu essen – aber eben nicht zwangsweise eine Gans oder einen Fisch. Und dann gibt es auch noch die kuriosen Bräuche: So findet in Gmunden am Traunsee seit über 50 Jahren das “Christbaumtauchen” statt. Mitglieder der Wasserrettung springen am Heiligen Abend mit einem Christbaum ins Wasser und legen eine erhebliche Strecke zurück – damit soll der im Traunsee Verunglückten gedacht werden. Vor allem Kinder haben an dem Spektakel alljährlich ihre Freude.

Weihnachtsbrauch-Experte Kriechbaum selbst spielt am Heiligen Abend übrigens immer Orgel. Und einen Tipp für all jene, die dem Einfrischen von Barbarazweigen frönen, hat er auch – der Brauch soll ja jungen Damen vorhersagen, ob im kommenden Jahr ein Bräutigam auftaucht: Blühen die Zweige nach dem Einfrischen mitten im Winter, steht die Ankunft eines passenden Partners bevor. Man kann dem nachhelfen: Legt man die Zweige vor dem Einfrischen ein paar Tage ins Tiefkühlfach, erblühen sie danach fast immer – künftige Liebe also praktisch garantiert. Und Liebe ist ja zu Weihnachten überhaupt das Wichtigste, oder? +++

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Klaus Puchleitner arbeitete lange Jahre als Wirtschafts- und Innenpolitikjournalist für die Magazine FORMAT, trend und Industrie. Heute lebt er als freier Autor in Graz und Mondsee und schreibt für Medien wie trend, freizeit-Kurier, profil, bestseller oder Horizont über Wirtschaft, Reise, Politik und alle möglichen weiteren Themen. Puchleitner ist auch als Ghostwriter und Sachbuchautor tätig.