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Kunst, Klima und Protest: Wer klebt, soll haften

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Nun also auch noch ein Gustav Klimt. Zum höheren Wohl des Klimaschutzes wurde im Wiener Leopold-Museum nach internationalem Vorbild das Werk „Tod und Leben“ des Jugendstil-Meisters angeschüttet – und einer der Aktivisten klebte sich wie üblich am Bild fest. Immerhin wird Klimt nun nach Vermeer, Van Gogh und Monet im Anschütt-Ranking der Klima-Retter als weltweit viertwichtigster Maler eingestuft.

Warum die Kunst als Ziel herhalten muss und durch die Attacke entwertet werden soll, die immer gesellschaftliche Veränderungen mitgetragen hat, versteht der normale Bürger kaum. Mediale Aufmerksamkeit ließe sich beispielsweise durch ähnliche Attacken auf Botschaftsgebäude von Klimasünder-Ländern ebenso erzielen.

So bleibt der Großteil der Gesellschaft verärgert zurück und der transportierten Botschaft wird ebenso geschadet. Der deutsche Soziologe Sven Hillenkamp sagt dazu in „Zeit Online“: „Wenn mir der Bote unsympathisch ist, kann er die besten Argumente vorbringen, ich werde sie nicht hören.“ Er verweist auf Studien, nach denen die Schüttbild-Attacken der Einstellung gegenüber Klimaschutzmaßnahmen im besten Fall nicht schaden. Aber wenn Fridays-for-Future-Märsche nicht mehr genügend Teilnehmer finden, muss offensichtlich die Radikalisierungsschraube ein gutes Stück weitergedreht werden.

Wie also soll man reagieren? Das Naheliegendste ist, eine der ältesten zivilisatorischen Errungenschaften heranzuziehen: das Recht. Wer klebt, soll haften. Das Gesetz gilt schließlich für alle, auch für jene, die moralische Lufthoheit verspüren. Voller Schadenersatz also und ein Verwaltungsstrafdelikt gegen die Täter, am besten vom Museum im Voraus breit kommuniziert: Wer bei uns ein Kunstwerk anschüttet, zahlt mindestens soundsoviel Euro. Fünfstellig sollte die Untergrenze schon sein, damit sie wirkt.

Die coolste Reaktion setzte das VW-Museum in Wolfsburg, wo sich zwei Aktivisten an einem Auto festklebten, um unter anderem die Entschuldung der Dritten Welt zu fordern. VW ließ sie einfach kleben und schaltete über Nacht – ganz im Sinne des Energiesparens – das Licht und die Heizung aus. Auch eine mögliche Interpretation von “Wer klebt, soll haften”. Ob die Aktion auch buchstäblich in die Hose ging, ist nicht bekannt. Die Aktivisten beschwerten sich jedenfalls im Nachhinein über die Behandlung. Perfiderweise lieferte VW nämlich Essen und Trinken, bevor man zusperrte. Man kann auch überlegen, die duftende Abendmahlzeit künftig in zwei Metern Entfernung zu den Angeklebten abzustellen.

Die dritte Möglichkeit zu reagierenn wäre die sinnvollste, ist aber leider unrealistisch: Ein kompletter Bann durch die Medien. Erzielt man mit solchen Aktionen kein mediales Echo, hört sich das Interesse am Anschütten und Festkleben schnell auf. Dabei hätten die meisten Medien selbst genügend Erfahrung mit Anschütten, aber vielleicht stürzen sie sich auch deshalb so gerne darauf. +++

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René Siegl war Wirtschaftsjournalist und leitete zuletzt knapp 25 Jahre lang die österreichische Betriebsansiedlungsagentur "ABA" (Austrian Business Agency). Heute lebt er als freier Autor und Wirtschaftsberater in Wien.