Start Winters Geld Reichere Reiche, ärmere Arme: Mehr Finanzwissen an die Schulen

Reichere Reiche, ärmere Arme: Mehr Finanzwissen an die Schulen

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Die Reichen werden reicher und die Armen schauen durch die Finger. Eine Offensive bei der Finanzbildung könnte für weniger Betuchte die Chancen auf ein besseres Geldleben erhöhen.

Im Vorjahr ist die Zahl der als reich eingestuften Österreicher gegenüber 2020 um acht Prozent gestiegen. Laut World Wealth Report des internationalen Beratungsunternehmens Capgemini zählten damit mit 176.000 Bewohnern der Alpenrepublik um 13.000 Österreicher mehr als im Jahr davor zum Kreis der sogenannten “High-net-worth individuals” – kurz gesagt: der Wohlhabenden. Dabei handelt es sich um Personen die über mehr als eine Million US-Dollar investierbares Vermögen verfügen. Den Dollar-Millionären stehen laut dem der Arbeiterkammer nahe stehenden Momentum-Institut  625.000 gegenüber, die monatlich weniger als 2.000 Euro brutto verdienen (gerechnet auf Vollzeitbeschäftigung).

Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Kreis der Reichen in nächster Zeit enger, also kleiner wird. Schließlich befinden sich die wichtigsten Börsen in einem Bärenmarkt – und auch auf Seite von Anleihen stellten sich im Jahresverlauf zum Teil historisch hohe Verluste ein. Aber über kurz oder lang wird der Wind an den Finanzmärkten wieder drehen. Und dann wird das Vermögen der Reichen neuerlich steigen, während ärmere Schichten der Bevölkerung weiterhin ganz andere Sorgen plagen. Befindet sich doch deren Haushaltsbudget häufig in einer Schieflage, weil die Ausgaben unter Einrechnung der Rückzahlung von Krediten höher sind als das Einkommen. Hingegen haben Betuchte die Chance, einen Teil ihres Vermögens mit kluger Geldanlage zu vermehren.

Stellt sich die Frage, warum es nur verhältnismäßig wenigen Menschen gelingt, aus dem Kreis der Armen oder dem Mittelstand in die Riege der Vermögenden aufzusteigen. Wie zahlreiche Forschungsergebnisse bestätigen, sind die Ursachen dafür vielfältig. Aber über eine Tatsache herrscht zumindest breiter Konsens: Ein Mangel an Finanzbildung mündet fast zwangsläufig in falsche Entscheidungen und oft auch in die Schuldenfalle. Aber genau bei der Vermittlung von Know-how in Finanzfragen darf man nicht zu viel Hoffnung hegen. Experten fordern zwar immer wieder eine Berücksichtigung von Finanzwissen in den Lehrplänen von Schulen ein. An der Umsetzung dieses Ansinnens zeigen die politischen Entscheidungsträger aber bislang kein Interesse. +++

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Robert Winter ist seit mehr als 20 Jahren Finanzjournalist und einer der nachgefragtesten Autoren für Finanzthemen in Österreich. Er schreibt für internationale Medien auch über das Thema Golf – und zusätzlich für so renommierte Medien wie Börsianer, trend, Horizont, bestseller, Asset Manager oder Forbes über Wirtschaft. Vor seiner heutigen Tätigkeit war Winter festes Redaktionsmitglied bei der ehemaligen Wirtschafts-Tageszeitung Wirtschaftsblatt sowie danach beim Nachrichtenmagazin FORMAT.