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Die Schande stoppen – und die Wiener Zeitung erhalten

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Reden wir nicht drum herum: Dass die österreichische Bundesregierung Anfang Oktober im Rahmen ihres Medienpaketes verkündet hat, die Wiener Zeitung einzustellen, ist eine Schande.

Ein Armutszeugnis für die Kulturnation Österreich. Zur Erinnerung: Die Wiener Zeitung, erstmals erschienen im Jahr 1703 als “Wienerisches Diarium” ist die älteste gedruckte Tageszeitung der Welt. Globale Kriege, Krisen und Kalamitäten aller Art hat sie gesehen, beschrieben – und überlebt: die Französische Revolution, das Metternich-Regime, das Jahr 1848, den Ersten Weltkrieg, das Kaiserreich Österreich sowieso, Weltwirtschaftskrisen, den Zweiten Weltkrieg, den Nationalsozialismus und die Besatzungszeit danach. Alles hat sie überstanden. Aber nicht die rotgrüne Regierung unter Bundeskanzler Nehammer und Vizekanzler Kogler.

Selbstverständlich kann man diskutieren, ob gedruckte Tageszeitungen noch Sinn machen oder zeitgemäß sind. (Ich glaube: Sie sind es.) Und natürlich sollte ein Medium wie die meisten wirtschaftlichen Unterfangen idealerweise Gewinn abwerfen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Zum einen handelt es sich bei der Wiener Zeitung ganz zweifelsfrei um ein Kulturgut höchsten Ranges, das geschützt und erhalten werden muss. Nicht umsonst stellen wir besondere alte Gebäude unter Denkmalschutz, machen Bildende Kunst in Museen zugänglich, fördern Literatur auf unterschiedlichste Weise. Kulturgüter zu erhalten ist Zeichen für eine weltoffene, moderne und dennoch traditionsbewusste Haltung, für den Grad der Aufgeklärtheit und des Verwantwortungsbewusstseins einer entwickelten Gesellschaft sich selbst gegenüber.

Außerdem ist das Betreiben öffentlich-rechtlicher Medien – egal ob gedruckt oder elektronisch – vor allem ein Hinweis auf den Zustand einer Demokratie. Die braucht solche Medien nämlich. Ein modernes Land, das seine Bürger und Bürgerinnen ernst nimmt, investiert in Bildung und eben das Vorhandensein einer entwickelten Medienlandschaft fernab von Boulevard und Meinungsmache. Es garantiert die Existenz qualitätsvoller Medien. Wenn nötig sorgt es dafür, dass sie frei von den Zwängen der Märkte agieren und Information weiterreichen, bewerten, erklären und einordnen können.

All das hat die Wiener Zeitung getan, weitgehend frei von politischen Einflüssen. Und sie hat das nicht schlecht gemacht. Nicht nur aufgrund ihres Alters war sie deshalb eines der ganz wenigen Vorzeigemedien, die wir haben. Sie zu erhalten muss vorrangiges Ziel der Kultur- und Medienpolitik jeder österreichischen Regierung sein. Sie wegen der lächerlichen paar Millionen Verlust pro Jahr einzustellen, während Geld an allen möglichen anderen Fronten in vielfacher Höhe mit vollen Händen zum Fenster hinaus geworfen wird, ist – eben eine Schande. Allein die unsäglich Reaktivierung der Kohlekraftwerke durch die grüne Energieministerin kostet ein Vielfaches. Oder, nur zum Beispiel: Was diese Regierung der in deutschem Besitz befindlichen Fluglinie AUA während der Coronakrise an nicht rückzahlbaren Förderungen in den Rachen geworfen hat, während die Airline soeben einen ordentlichen Quartalsgewinn lukriert hat – ein Vielfaches.

Und selbstverständlich ist das Medienpaket der Regierung, in dessen Zuge die Wiener Zeitung zerstört werden soll, gelinde gesagt blamabel. Ein Zeugnis für die diesbezügliche Inkompetenz der zuständigen Ministerin, Susanne Raab von der ÖVP. Die Medienagenden gehören ihr entzogen und ins Kultur-Staatssekretariat übersiedelt. Die Wiener Zeitung gehört erhalten – und nicht nur das: Sie gehört finanziell besser ausgestattet, sie gehört außer Diskussion gestellt. Koste es, was es wolle. Für eine Kulturnation wie Österreich ist das ein Muss.

Der schwarze Bundeskanzler, der grüne Vizekanzler und die schwarze Medienministerin sollten sich schämen. Und die Bürgerinnen und Bürger sollten bei der nächsten Nationalratswahl an die schwarz-grünen Zerstörer denken, wenn die bei ihrem Einstellungsbeschluss bleiben. Das ist das Mindeste. Wer mehr tun möchte, sollte ein Zeichen setzen und jetzt – gerade jetzt – ein Abo der Wiener Zeitung bestellen+++

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Klaus Puchleitner arbeitete lange Jahre als Wirtschafts- und Innenpolitikjournalist für die Magazine FORMAT, trend und Industrie. Heute lebt er als freier Autor in Graz und Mondsee und schreibt für Medien wie trend, freizeit-Kurier, profil, bestseller oder Horizont über Wirtschaft, Reise, Politik und alle möglichen weiteren Themen. Puchleitner ist auch als Ghostwriter und Sachbuchautor tätig.