Start Siegls Senf Sparen grenzt bereits an ökonomische Dummheit

Sparen grenzt bereits an ökonomische Dummheit

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Passend zum Weltspartag veröffentlichte Statistik Austria kürzlich die neueste Schnellschätzung für die Teuerung im Oktober: 11,0 Prozent Inflationsrate, nach EU-Berechnungsmethode sogar 11,5 Prozent. Zum Weltspartag gibt es traditionellerweise kleine Geschenke bei den Banken, die Zinsen hingegen kann man sich weiter schenken.

Zwar hat die Europäische Zentralbank noch einmal ihre Leitzinsen um 0,75 Prozentpunkte angehoben, aber sehen wir uns das doch konkret an. Bei den großen Banken und Sparkassen des Landes bekommt man derzeit auf einem für 12 Monate gebundenen Sparbuch 0,75 Prozent Zinsen. Zieht man die Zinsertragssteuer ab, bleiben noch 0,56 Prozent. Den Weltspartag konnte man sich also wieder einmal sparen.

Denn auf der anderen Seite steht eine Inflationsrate von 11,5 Prozent – das macht derzeit einen jährlichen Verlust von 10,9 Prozent des gesparten Kapitals. Bei einem angesparten Vermögen von 100.000 Euro für ein neues Auto und die Pensionsvorsorge verliert man derzeit also 10.900 Euro pro Jahr oder etwa 900 Euro pro Monat an Kaufkraft. Dabei hat die EZB die Stabilität des Geldes und den Kampf gegen die Teuerung als oberstes Ziel vorgegeben.

Früher einmal waren die Zinsen das Entgelt dafür, dass man den Banken sein Geld lieh, damit sie damit arbeiten konnten. Man konnte damit ein wenig sein Erspartes vermehren. Heute ist es die zwangsweise eingehobene Spende für Euro-Staaten, die ihre Schuldenpolitik nicht in den Griff bekommen. Kein Wunder also, wenn die Menschen in Österreich immer weniger sparen und die Sparquote heuer auf 7,2 Prozent absinken wird – ein historischer Tiefststand für dieses Jahrhundert. Alles andere würde auch unter ökonomische Dummheit fallen. +++

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René Siegl war Wirtschaftsjournalist und leitete zuletzt knapp 25 Jahre lang die österreichische Betriebsansiedlungsagentur "ABA" (Austrian Business Agency). Heute lebt er als freier Autor und Wirtschaftsberater in Wien.