Start Winters Geld Unser aller Geld und das Taiwan-Säbelrasseln in China

Unser aller Geld und das Taiwan-Säbelrasseln in China

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Sollte der Konflikt zwischen China und Taiwan eskalieren droht ein massiver Rückschlag an den Finanzmärkten. Investoren sind angehalten die Entwicklungen im Auge zu behalten.

Der Stresstest für Anleger ist prolongiert. Als wären der Krieg in der Ukraine, die Rekordinflation oder die konjunkturelle Eintrübung nicht genug, hat sich im Fernen Osten seit einiger Zeit ein weiterer Krisenherd gebildet. Chinas Führer Xi Jinping unterstrich erst Mitte Oktober in seiner Rede zum Auftakt des Kongresses der chinesischen Kommunistischen Partei neuerlich die Territorialansprüche Chinas auf die Insel Taiwan. Der Ursprung des Konflikts geht auf die Spaltung von China und Taiwan im Jahr 1949 zurück. Peking stuft die Insel als abtrünniges Gebiet ein und will notfalls mit militärischer Gewalt eine Vereinigung Taiwans mit dem Festland erzwingen.

An der Rhetorik von Xi Jinping zeigt sich, dass es Chinas Führer ernst meint. Der Herrscher betonte beim Kongressauftakt, eine friedliche „Vereinigung“ von China und Taiwan zum Ziel zu haben. Sollte das nicht möglich sein, drohe ein „entschlossener“ Kampf. „Wir werden uns niemals verpflichten, den Einsatz von Gewalt aufzugeben“ sagte Xi Jingping.

Aber was passiert, wenn der Fall X wirklich eintritt?

Rund die Hälfte aller Containerschiffe der Welt passieren die schmale Wasserstraße von Taiwan. Sollten Militäroperationen Realität werden, drohen neuerlich Verwerfungen bei den Lieferketten samt Konsequenzen für die globale Wirtschaft. Taiwans Chipindustrie, allen voran die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company TSMC, steht für rund zwei Drittel der globalen Auftragsfertigung. Wird ein Produktionsausfall oder eine Blockade durch China Realität, drohen schwerwiegende Folgen. Ingo Beyer von Morgenstern, deutscher Unternehmensberater, Firmengründer, Hochschullehrer sowie Forschungspartner des ACATIS Qilin Marco Polo Asien Fonds: „Die Auswirkungen für den Westen könnten dramatisch sein.” Mittlerweile sind taiwanesische Chips in unendlich vielen Elektronikkomponenten verbaut und der Westen hat weder die Kapazitäten noch die Fähigkeiten das kurz- und mittelfristig zu kompensieren. Chinas Wettbewerbsfähigkeit würde signifikant gestärkt. Der Westen zumindest mittelfristig lahmgelegt.

Wer weltweit investiert, kann mögliche Verluste an den Fernost-Börsen verschmerzen. Denn rein von der Papierform her spielen Aktien aus China und Taiwan im Weltaktienindex MSCI AC World nur eine Nebenrolle. Chinesische Aktien sind im Index nur mit 3,6 Prozent gewichtet, auf Papiere aus Taiwan entfallen 1,7 Prozent. Aber man darf nicht glauben, dass eine mögliche Eskalation zwischen China und Taiwan nur regionale Folgen hat. Experte Beyer von Morgenstern: „Es ist davon auszugehen, dass die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Weltkapitalmärkte weitaus dramatischer sein werden als wir das gegenwärtig im Fall Russland erleben.“ +++

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Robert Winter ist seit mehr als 20 Jahren Finanzjournalist und einer der nachgefragtesten Autoren für Finanzthemen in Österreich. Er schreibt für internationale Medien auch über das Thema Golf – und zusätzlich für so renommierte Medien wie Börsianer, trend, Horizont, bestseller, Asset Manager oder Forbes über Wirtschaft. Vor seiner heutigen Tätigkeit war Winter festes Redaktionsmitglied bei der ehemaligen Wirtschafts-Tageszeitung Wirtschaftsblatt sowie danach beim Nachrichtenmagazin FORMAT.