Start Siegls Senf Unsinn: Was der Staat bei der Kinderbetreuung falsch macht

Unsinn: Was der Staat bei der Kinderbetreuung falsch macht

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Es ist schon einige Zeit her und es war nur eine kurze Meldung auf orf.at – aber sie war symptomatisch für den Zustand und die Probleme unseres Staates: Daten der Statistik Austria zeigen, dass das Angebot an Kindergartenplätzen, die den Eltern einen Vollzeitjob ermöglichen, zuletzt wieder zurückgegangen ist. Dabei ist es zumindest öffentlich erklärtes Ziel von Bund und Ländern, die Zahl der Kindergartenplätze zu steigern – sie ermöglichen es schließlich uns allen, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Allein, die Realität sieht anders aus. Bei den bis Zweijährigen gab es österreichweit einen Rückgang von 64 auf 59,8 Prozent – wobei 2021 nur 29,1 Prozent dieser Altersgruppe überhaupt eine Krippe oder Kleinkindgruppe besuchten. Bei den Drei- bis Fünfjährigen sank der Anteil von 51,8 auf 49,3 Prozent. Besonders groß war das Minus etwa in Niederösterreich mit einem Rückgang bei den Jüngsten von 51,1 auf 44,4 und bei den Älteren von 41,5 auf 31,4 Prozent.

Gleichzeitig befindet sich am Arbeitsmarkt die Zahl der offenen Stellen auf einem Höchststand. 129.000 unbesetzte Jobs waren Anfang Oktober allein beim AMS gemeldet. Der Stellenmonitor des Wirtschaftsbundes weist sogar 260.000 Stellen aus, für die noch keine geeigneten Bewerber oder Bewerberinnen gefunden werden konnten. Und das bei weniger als 300.000 Arbeitslosen.

Man muss kein Arbeitsmarktexperte sein, um zu wissen, dass kurz- und mittelfristig nur zwei ernsthafte Quellen für zusätzliche Arbeitskräfte bestehen: Zuzug aus dem Ausland oder Frauen, die zusätzlich in Beschäftigung gebracht beziehungsweise zu höheren Wochenarbeitszeiten motiviert werden. Dieser Weg führt aber meistens über bessere und vor allem längere Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Höchst unlogisch also, dieses Angebot in dieser Situation zurückzufahren, oder?

Dabei wäre es sogar ein Geschäft für den Staat, die Betreuungsangebote für Kinder auszuweiten, denn die zusätzliche Beschäftigung erlaubt es den Firmen, zusätzliche Aufträge anzunehmen. Die neuen Arbeitnehmerinnen liefern ihre nicht unerheblichen Lohnsteuerzahlungen ab und sichern die Höhe ihrer zukünftigen Pensionen. Doch vielleicht passt es zu wenig in das Familienbild manches Landeshauptmannes oder auch einer Landeshauptfrau, wenn die Mutter nicht bis zum Schuleintritt zuhause beim Kind bleibt. Anders ist dieser gesellschaftliche und ökonomische Unsinn kaum zu erklären. +++

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René Siegl war Wirtschaftsjournalist und leitete zuletzt knapp 25 Jahre lang die österreichische Betriebsansiedlungsagentur "ABA" (Austrian Business Agency). Heute lebt er als freier Autor und Wirtschaftsberater in Wien.