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Gusto Guerillero und City-Webunternehmer: Stefan Knoll

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Oberguerillero Stefan Knoll hat mit seinem Startup "Gusto Guerilla" kulinarischen Erfolg in Wien, Graz und bald auch Salzburg.

Mit seinem Startup Gusto Guerilla profitiert der Wiener Stefan Knoll ein wenig von der Lust der Menschen, zu essen und anderen darüber zu berichten.

Stefan Knoll, 48 Jahre alt, Vater von vier Kindern, verheiratet, hat schon vieles gemacht. Er war Journalist, zuletzt sogar beim Nachrichtenmagazin Format. Dann handelte er online mit Schlechtwetter-Fahrradkleidung, die Firma hieß “Wind und Wetter”, Knoll stellte sie wieder ein. “In Wien regnet´s einfach zu wenig”, sagt er. Er managte bei Greenpeace Projekte, machte beim BFI Kommunikation. Mitten in der Pandemie hatte er schließlich die Idee, von der er jetzt lebt. Die ist sukrril genug – aber sie funktioniert. Denn das Geschäftsmodell dahinter basiert im Wesentlichen auf Kulinarik und persönlicher Eitelkeit der Menschen – seit jeher eine vielversprechende Kombination.

Knolls Startup heißt Gusto Guerilla und so ganz genau kann er selbst nicht erklären, warum der spanische Name. Hat sich im Entwicklungsprozess der Idee irgendwie so ergeben. Gusto Guerilla organisiert Gastro-Touren durch Wien, jede Tour steht unter einem Motto, findet an einem einzigen Tag statt und führt zu zwölf über die Stadt verteilten Lokalen. Die Teilnehmer sind per Rad, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und bekommen an jeder Station kulinarische Häppchen serviert, die dem jeweiligen Tagesthema folgen. Bezahlt wird einmal am Start, knapp 40 Euro pro Person. “Das sind 12-Gänge-Menus quer durch die Stadt”, bewirbt Knoll seine Touren. Die Wirte geben ihre Häppchen kostenlos aus. Und warum funktioniert das, möchte man fragen. Schließlich kann man empfehlenswerte Lokale auch selbständig besuchen und vor Ort für das Konsumierte ganz konservativ bezahlen.

Knoll (Dritter von li.) mit Teilnehmern einer seiner Gusto-Touren durch Wien.

Schon. Aber weil Knoll seine Lokale erst kurz vor Tourbeginn verrät, sie jeweils einem einheitlichen kulinarischen Konzept folgen, und weil außerdem so gut wie immer unbekannte Perlen der Lokalszene dabei sind, ergibt sich ein allem Anschein nach unwiderstehliches Spannungsmomentum. Rund 300 Teilnehmer pro Tour schickt Knoll auf jeweils die Reise, die Sache hat Eventcharakter. 14 Touren sind heuer schon über die Bühne gegangen, mehrere Tausend Gusto Guerilleros hat Knoll auf die Reise geschickt. Weil nicht alle alle Stationen in derselben Reihenfolge besuchen, jedoch ein Armband zur Erkennung tragen, ist – wenn man sich unterwegs trifft – ein gewisser sozialer Effekt inbegriffen.

Knolls Haupt-Verkaufsargument ist die persönliche Eitelkeit der Teilnehmer, denn er macht sie zu Gastro-Kritikern: Auf der Gusto-Guerilla-Website darf jeder Lokakritiken veröffentlichen – und ist außerdem angehalten, auch auf seinen Social-Media Accounts fleißig zu posten. Und damit quasi offizieller Gastro-Kritiker zu werden. Diese Möglichkeit, die eigene Gastro-Kritik, den eigenen Text, auf der Gusto-Guerilla-Website veröffentlicht zu sehen, ist es wohl, was die Menschen anlockt. Und die Wirte, die Speis und Trank kostenlos zur Verfügung stellen? Profitieren laut Knoll von der Publicity im Internet.

Die Sache brummt jedenfalls. Knoll hat eine Geschäfgtspartnerin gefunden, die Autorin Nunu Kaller, und man kann sich mit einem Kernteam von acht Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen über Wasser halten. Mehrere Tausend Tour-Teilnehmer pro Jahr machten bisher mit. Aus Wien hat Knoll seine Idee bereits nach Graz exportiert, in nähderer Zukunft ist Salzburg dran. Und er arbeitet an der Internationalisierung, bald schon soll die eine oder andere europäische Hauptstadt Gusto-Guerilla-Touren hosten. Und ihre Bewohner fleißig Gastro-Kritiken posten. Für Unternehmen gibt es inzwischen eigene Business-Touren – Betriebsausflüge 2.0 sozusagen. Die bislang letzten Möglichkeiten dabei zu sein haben such*stuff Leser knapp verpasst: Die “Vota Veganista!-Tour” fand 17. September in Wien statt und zur “Mon á Mur-Tour” traf man sich am 24. September in Graz. Doch die nächste Tour kommt bestimmt. +++

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Klaus Puchleitner arbeitete lange Jahre als Wirtschafts- und Innenpolitikjournalist für die Magazine FORMAT, trend und Industrie. Heute lebt er als freier Autor in Graz und Mondsee und schreibt für Medien wie trend, freizeit-Kurier, profil, bestseller oder Horizont über Wirtschaft, Reise, Politik und alle möglichen weiteren Themen. Puchleitner ist auch als Ghostwriter und Sachbuchautor tätig.