Start Winters Geld Gold als Krisengewinner? Von wegen.

Gold als Krisengewinner? Von wegen.

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Gold hat den Nimbus einer Krisenwährung und gilt als guter Schutz gegen Inflation. Der Haken: Seit einiger Zeit funktioniert diese Zauberformel nicht mehr. So verlor das gelbe Edelmetall in Euro gerechnet im Vorjahr rund vier Prozent an Wert, während die Inflation in der Eurozone in 2021 bei knapp 2,6 Prozent lag. Auf Jahressicht stieg die Teuerungsrate stark an und erreichte im März 7,4 Prozent. Bis August folgten weitere Anstiege auf 9,1 Prozent. Und was passierte mit der Goldnotierung? Gold trat auf der Stelle, Mitte September kostete eine Feinunze in Euro exakt gleich viel wie am 1. März.

Von einer Abfederung der Inflation ist damit keine Rede mehr. Aber warum ist das so? Die durch den Krieg in der Ukraine ausgelösten geopolitischen Unsicherheiten samt den enormen Anstiegen der Energiepreise wirken weniger stark auf den Goldpreis als andere Kräfte. So hinterlassen die restriktivere Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve Fed und der Europäischen Zentralbank EZB deutlichere Spuren. Und die Aussicht auf weitere Zinsschritte in den USA und am alten Kontinent lassen Gold aufgrund der Tatsache, dass Gold keine Zinsen zahlt, derzeit recht alt aussehen.

Soll man sein Gold deshalb gleich auf den Markt werfen? Nein, gilt doch ein Anteil von maximal zehn Prozent Gold in einem breit gestreuten Portfolio als durchaus sinnvoll. Das bestätigt etwa der Vergleich von Goldpreis zu Inflation seit der Euro-Einführung Anfang 2002. Von damals bis Ende 2021 konnte Gold in Euro gerechnet in 14 Kalenderjahren die Inflation zum Teil deutlich schlagen. So stieg der Kurs des Edelmetalls im Jahr 2007 um knapp 38 Prozent während die Inflation damals 2,1 Prozent betrug. In fünf weiteren Kalenderjahren war der Abstand ähnlich hoch. Der stärkste Rückschlag wurde 2013 mit einem Goldpreis-Minus von 27 Prozent verzeichnet. Damals lag die Inflation bei knapp 1,4 Prozent. Fazit: Langfristig gilt Gold nach wie vor als guter Inflationsschutz. Auf absehbare Zeit ist aber nicht damit zu rechnen. +++

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Robert Winter ist seit mehr als 20 Jahren Finanzjournalist und einer der nachgefragtesten Autoren für Finanzthemen in Österreich. Er schreibt für internationale Medien auch über das Thema Golf – und zusätzlich für so renommierte Medien wie Börsianer, trend, Horizont, bestseller, Asset Manager oder Forbes über Wirtschaft. Vor seiner heutigen Tätigkeit war Winter festes Redaktionsmitglied bei der ehemaligen Wirtschafts-Tageszeitung Wirtschaftsblatt sowie danach beim Nachrichtenmagazin FORMAT.