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Energieminister: Der Vergleich macht Sie sicher

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Deutschlands Energieminister Robert Habeck redet mit der Bevölkerung nicht nur Klartext, sondern sandte dieser Tage zwei Verordnungen aus, wie im Winter der drohenden Gaskrise begegnet werden soll. Die darin vorgeschriebenen Maßnahmen betreffen nicht nur Bundeseigentum, sondern ebenso private Haushalte und den Handel. Unter anderem findet sich darin die Absenkung der Temperaturen in öffentlichen Gebäuden auf 12 bis 19 Grad, das Untersagen der Beleuchtung von Gebäuden, Logos oder Schaufenstern zu Werbe- und Repräsentationszwecken, das Verbot für das Beheizen von privaten Pools oder des Offenhaltens von Eingangstüren im Einzelhandel.

In Österreich ist – beispielsweise im größten Outlet-Center des Landes – die im Winter geöffnete Tür noch immer vielen Geschäftsmietern vorgeschrieben. Auf die weitreichenden Verordnungen ihres grünen Amtskollegen Habeck angesprochen, antwortete Energieministerin Leonore Gewessler in Ö1: „Wir haben das im Klimaschutzministerium bereits geregelt. Die Standardtemperatur unserer Klimaanlage ist bei 28 Grad. Wir werden das auch aliquot beim Thema Heizen machen. Und wir erarbeiten diese Maßnahmen jetzt für den gesamten Bundesdienst.“ Die Regulierung der Klimaanlagen in Bundesgebäuden auf 28 Grad könnte demzufolge bereits im September umgesetzt werden, spätestens aber im Oktober oder November.

Auf das vor 500 Tagen ausgelaufene Klimaschutzgesetz angesprochen sagte Gewessler: „Wir werden auch dieses Gesetz fertig kriegen.“  Na, dann kann Österreich nach eineinhalb Jahren erfolglosen Verhandlungen ja durchatmen. Zu einer eventuellen Abschöpfung von Übergewinnen der Energiekonzerne fiel ihr ein: „Das ist eine außerordentliche Situation, deswegen muss man sich auch dieses Modell anschauen.“ Vermutlich noch innerhalb der nächsten 500 Tage, kann man hoffen.

Robert Habeck ist mit Abstand der beliebteste deutsche Politiker (ZDF-Politbarometer). Er würde derzeit sogar eine Direktwahl des Bundeskanzlers gewinnen. Leonore Gewessler liegt im OGM-Vertrauensindex bei minus 25 Prozent. Sogar Verteidigungsministerin Klaudia Tanner rangiert vor ihr. Hinter ihr folgen nur mehr Sigrid Maurer, August Wöginger, Wolfgang Sobotka und Herbert Kickl.

Der Schluss liegt nahe, dass die Mehrheit der Bevölkerung erstens die Wahrheit auch in kritischen Situationen verträgt und zweitens Politikern vertraut, die rasch handeln und nicht nur rasch Interviews geben. +++

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René Siegl war Wirtschaftsjournalist und leitete zuletzt knapp 25 Jahre lang die österreichische Betriebsansiedlungsagentur "ABA" (Austrian Business Agency). Heute lebt er als freier Autor und Wirtschaftsberater in Wien.