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Alte, wertvolle Geigen: Die Kunst der Meister

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Schöne, alte Geigen sind vioel Gert wert und erfreuen das Herz der Sammler und der Zuhörer ihrer Musik gle3ichermaßen.

Mit alten Streichinstrumenten kann man mit Glück, langem Atem und Kapital ein Vermögen machen. Milliardäre, Versicherungen, Stiftungen und Banken jagen die begehrte Stücken her. Einer der größten Sammler weltweit: die Österreichische Nationalbank.

Ein Wald irgendwo um die Ufer des kleinen Karersees in Südtirol, versteckt an den Ausläufern der steil zu den Dolomiten ansteigenden Talränder: Von dort soll angeblich Antonio Stradivari, jener geniale Geigenbauer aus Cremona, der berühmteste der ganzen Welt und aller Zeiten, das Fichtenholz für die Decken, also die Oberteile seiner Streichinstrumente bezogen haben. Das Holz für die Böden kam der Legende nach aus dem heutigen Bosnien. So ganz genau weiß man es aber nicht. Dieses Geheimnis der genauen Herkunft des Holzes ist einer der Gründe, warum man selbst heute, mit allen Mitteln der modernen Wissenschaft, Stradivari-Geigen noch immer nicht exakt so nachbauen kann, wie der große Meister es im 17. und 18. Jahrhundert getan hat. Das macht die Instrumente so unglaublich wertvoll. Geigen aus den Häusern der großen Geigenbau-Künstler des 16. und 17. Jahrhunderts – zum Beispiel eben Stradivari, Andrea Guarneri, Pierre Silvestre, Sanctus Seraphin, Domenico Montagnana oder auch Jacobus Stainer – sind heute kostbar wie Gold.

 Run auf die Geigen 

Das war nicht immer so, doch seit einigen Jahrzehnten hat ein regelrechter Run auf die seltenen Instrumente eingesetzt, auf Violinen genauso wie auf Bratschen und Celli. Befanden sich viele der Instrumente früher in den mehr oder weniger sorgfältigen Händen von Musikern, wurden sie plötzlich von Millionären, Milliardären und anderen Superreichen nachgefragt, die sich auch heute noch gerne mit einer Stradivari oder einer Guarneri schmücken und damit auf Soirées oder Dinnerparties etwas zum Herzeigen haben. Dem Markt hat das nicht gut getan, denn viele Instrumente verschwanden so im Laufe der vergangenen Jahrzehnte in verschwiegenen Villen, dunklen Safes oder sonstigen Depots. Im Fernen Osten und auch in Russland sollen sagenhafte Instrumente in den Kellern von Oligarchen, Industriellen und Scheichs lagern, die nie mehr das Tageslicht erblicken werden.

Teure Geigen kosten viel, viel Geld. Der Wiener Geigenbaumeister Marcel Richters hegt und pflegt sie.

Das hat die Preise in die Höhe getrieben und daher sind erstklassige alte Instrumente heute eine ausgezeichnete Investition. Aber nur, wenn man einen langen Atem und genug Geld zur Verfügung hat, so ein Instrument nicht nur zu kaufen, sondern es auch zu erhalten und zu pflegen. Und wir sprechen hier von wirklich viel Geld. Allein der Kaufpreis einer Stradivari in miserablem Zustand – davon gibt es aber nicht viele – liegt jenseits der zwei Millionen. Ausgezeichnet erhaltene und gepflegte Exemplare schlagen inzwischen in Sonderfällen schon einmal mit 40 Millionen Euro oder noch mehr zu Buche. 20 Millionen sind mittlerweile schon fast ein Durchschnittspreis für eine Stradivari. Was es nach dem Kauf dann aber noch braucht: regelmäßige Untersuchungen bei spezialisierten Geigenbauern, von denen es nicht allzu viele gibt. Die Echtheit einer Stradivari oder einer Guarneri kann letztendlich neben einer gehörigen Portion spezieller Expertise nur per Micro-Computertomograph bestätigt werden. An der Universität Wien haben zum Beispiel der Anthropologe Gerhard Weber und der Direktor der Sammlung alter Musikinstrumente am Kunsthistoirischen Museum, Rudolf Hopfner, bislang 21 Stradivari- und neun Stainer-Geigen untersucht. Pro Instrument wird bis zu zwölf Stunden gescannt, 7.000 Röntgenbilder entstehen dabei, und dann wird nochmals zwölf Stunden an den Schichtbildern und 3D-Modellen gerechnet. Dass das kostet, ist klar.

 Was es braucht: ordentlich Kleingeld 

Außerdem sind allein schon die Versicherungskosten für derartige Instrumente horrend. So astronomisch hoch, dass normale Musiker sich das gar nicht mehr leisten könnten, weil die Prämien ruinös sind. 10.000 Euro pro Jahr sind beinahe schon das Minimum, weiß der Wiener Geigenbau-Meister Marcel Richters, der hinter unscheinbaren Hausmauern in Hernals ein Atelier betreibt, in dem sich immer wieder einmal die eine oder andere Stradivari zum Service oder zur Restauration aufhält.

Wer jedoch über das nötige Kleingeld verfügt und auch die Gedult eines langen Atems hat, für den sind eine Stradivari, eine Guarneri, eine Stainer und so weiter, eine erstklassige Anlageinvestition. Aber wegen der Summen, die im Spiel sind, eben nur für wenige. Wer nicht vielfacher Millionär ist, eher schon Milliardär, der braucht gar nicht mit den Trusts, Banken und Versicherungen oder den Fondsgeselschaften mitbieten, wenn einmal irgendwo auf der Welt eine Stradivari zum Verkauf steht.

 Österreich ist voll dabei 

Das kleine Österreich ist übrigens an vorderster Front mit dabei: Die OeNB, also die Österreichische Nationalbank, besitzt eine der weltweit erlesensten Sammlungen hochkarätiger alter Streichinstrumente. Sechs Celli, drei Bratschen und 35 Violinen umfasst der Schatz der OeNB, darunter acht Stradivaris. Soeben wurden wieder vier neue Instrumente angekauft, die hochtalentierten Musikstudenten zur Verfügung gestellt werden. Die Nationalbank, die im Jahr 1989 in dieses Sammlergeschäft eingestiegen ist, will damit den Ruf der Kulturnation Österreich aufpolieren. Alle Instrumente werden hochkarätigen Musikern als Leihgabe auf Zeit zur Verfügung gestellt. “Wir haben wirklich eine tolle Sammlung”, schwärmt Kuratorin Marguerite Kurz, die den Geigenfundus der Nationalbank administriert. Die Konzertmeister der Wiener Philharmoniker und der Wiener Symphoniker spielen zum Beispiel jeweils auf einer Stradivari aus OeNB-Besitz. Eigentlich erfolgt die Vergabe jeweils für drei Jahre, aber Star-Musiker erhalten immer wieder eine Verlängerung.

Die Österreichische Nationalbank ist eine der eifrigsten Sammlerinnen hochwertiger Streichinstrumente. Auch sechs Stradivaris gehören ihr (das im Bild ist eine).

Pro Jahr trudeln drei bis vier Bewerbungen bei Kurz ein, viele guten Musiker möchten gern auf einer Stradivari spielen, obwohl sie sich keine leisten können. Die Vergabe folgt dann den Empfehlungen einer eigenen, gestrengen Kommission. Voraussetzung, einen Zuschlag zu erhalten, ist neben selbstverständlich virtuoser Beherrschung des Instruments die österreichische Staatsbürgerschaft.

Die OeNB schlägt mit dieser sehr speziellen Art des Kultursponsorings gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie unterstützt einerseits österreichische Kulturschaffende, so etwas wirkt sich immer gut aufs Image aus. Und andererseits macht sie mit ihrer Sammlung richtig Geld, zumindest theoretisch. Denn selbst wenn in der OeNB derzeit niemand auch nur ansatzweise daran denkt, eines der Instrumente wieder zu verkaufen, sitzt man inzwischen doch auf einem Schatz. Der Einkaufswert aller Exponate dürfte bei knapp 40 Millionen Euro liegen, vermuten Insider. Der tatsächliche aktuelle Wert der Sammlung beträgt aber auf jeden Fall bereits ein Vielfaches.

Was nun tun, wenn man da als wirklich, wirklich vermögender Privatinvestor mitmischen möchte? Es wird einem nicht erspart bleiben, zu einem der Experten zu pilgern und sie gegen teures Geld zu beauftragen, sich einmal umzuhören, ob irgendwo irgendeine teure, alte Geige zum Verkauf steht. Das kann schnell gehen, es kann aber auch viele Monate dauern. Früher einmal war London die erste Handelsadresse, wenn kostbare Streichinstrumente an den Mann gebracht werden sollten. Inzwischen gibt es auch in New York und Boston eine kleine Szene, und auch Wien ist kein schlechter Platz mehr, um sich zu informieren. +++

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Klaus Puchleitner arbeitete lange Jahre als Wirtschafts- und Innenpolitikjournalist für die Magazine FORMAT, trend und Industrie. Heute lebt er als freier Autor in Graz und Mondsee und schreibt für Medien wie trend, freizeit-Kurier, profil, bestseller oder Horizont über Wirtschaft, Reise, Politik und alle möglichen weiteren Themen. Puchleitner ist auch als Ghostwriter und Sachbuchautor tätig.