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Hausbooturlaub in Irland: Schwapp zum nächsten Pub

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Hausbooturlaub ist eine gute Alternative zu den alten, langweiligen Destinationen in halb Europa

So geht Entspannung: Hausbooturlaub in Irland. Nichts ist grüner, schöner, lässiger und origineller. Hat man unterwegs Durst, ist ein Pub nicht weiter als eine Anlegestelle entfernt.

Alles beginnt mit Sean, Liam, Padraig, William oder wie sie alle heißen, die Einweiser der diversen Hausbootverleiher. Fast immer sehen die Herrschaften aus, wie man sich gestandene Iren vorstellt, und in vielen Fällen heißen sie eben auch genauso. Sie sind jedenfalls die wichtigsten Menschen, wenn es um einen entspannten Bootsurlaub auf diesen verträumten, versponnenen und verwinkelten irischen Flüssen und Seen geht, die im Sommer von Urlaubern regelrecht gestürmt werden. Denn Sean, Liam, Padraig und so weiter erklären einem, wie das geht, “einen Hausbooturlaub machen”: Ablegen, anlegen, die zumeist trägen Schiffe steuern, Schleusen bedienen, ankern – das alles ist für uns Mitteleuropäeer exotische Materie. Weil aber mit einem Hausboot in Irland alle fahren dürfen, auch wenn sie keinen Bootsführerschein oder Segelschein besitzen, will das rudimentäre seemännische Wissen zumindest in einem kurzen Kurs vermittelt werden, bevor es dann hinaus aufs Wasser geht. Und genau das tun eben die Einweiser der Bootsverleiher vor Beginn jedes Trips.

Ein bis zwei Stunden dauern die Crashkurse zur Einweisung ins Boat Life.

Eine bis zwei Stunden dauern diese Crashkurse für gewöhnlich, die mitteleuropäische Familienväter in die Lage versetzen sollen, ihr Hausboot sicher über Flüsse, Seen und durch Schleusen zu steuern. Ein Boot zu bewegen ist keine Hexerei, aber auch nicht ohne. Immerhin schippert man auf einem gut zwei oder drei Tonnen schweren Gefährt durch die Gegend, dessen Trägkeitsmoment schon den einen oder anderen Schaden anrichten kann. Außerdem will das Manövrieren in die Marinas gelernt werden, sind unterwegs Schleusen zu bedienen, und so weiter. Aber Sean, Liam, Padraig, William und ihre Kollegen – so gut wie nie sind es Kolleginnen – haben das gut drauf und sind geschickt darin, das nötigste Wissen an den Mann oder an die Frau zu bringen, damit die Freizeitkapitäne und -kapitäninnen danach halbwegs sattelfest durchs Land schwappen können. Manche Bootsverleiher bieten auch die Möglichkeit, den Schnellkurs schon vor Antritt der Reise via Internet abzuwickeln.

Es ist Die reine Idylle

Die reine Idylle – und hinter jeder zweiten Kurve wartet ein neues Mikroabenteuer.

Im Hausboot durch Irland schippern also. Der Shannon, der Erne, der Shannon-Erne-Canal oder der altehrwürdige Grand Canal, dazu der Lough Ree, der Upper sowie der Lower Loug Erne, der Lough Derg, der Lough Key oder auch der Lough Allen – das sind Irlands bevorzugte Flüsse und Seen, auf denen reger Hausbootverkehr herrscht. Auf diesen Wasserwegen durch die grüne Insel zu mäandern, ist schlicht und einfach großartig. Man schaukelt auf sanften Wellen in pittoreske Sonnenuntergänge, gleitet im Schrittempo verwunschene Ufer entlang, steuert sein Boot durch überraschende Twists und Biegungen, hinter denen jederzeit neue Geheimnisse und Entdeckungen lauern können, man weiß ja nie. Gleiten über spiegelnde Seen, durchgondeln unter malerischen Brücken, steinalte Schleusen passieren – das ist Hausbooturlaub made in Ireland. An Deck sitzen, abends ein Guinness oder ein Glas Whiskey genießen, während das Boot sanft schaukelt, Sodabrot essen. Kurz: eine Idylle.

Die beliebteste und bekannteste Route ist der Shannon-Erne-Waterway zwischen dem Städtchen Banagher im Herzen der Insel und dem Lower Lough Erne in Nordirland. Kombinationsmöglichkeiten diverser Teilrouten, die eine oder zwei Wochen oder auch nur zwei oder drei Tage in Anspruch nehmen, gibt es viele. Mindestausleihdauer ist in der Regel eine Woche, während der man dann bei Routenwahl, Reisegeschwindigkeit sowie Verweildauer unterwegs in einer der vielen Marinas völlig frei ist. Einen fixen Fahrplan, dem man verpflichtet wäre, muss man nicht bekannt geben. Lediglich Rückgabezeitpunkt und -ort sind einzuhalten.

Zwei Zentren gibt es, von denen aus die meisten Touren starten, beide liegen im Herzen der Insel. Da ist einerseits das Städtchen Athlone, mehr oder weniger direkt an der Ost-West-Verbindungsautobahn zwischen Dublin und Galway gelegen. Und andererseits weiter nördlich der Ort Carrick-on-Shannon, der vielleicht noch bessere Ausgangspunkt für eine Bootstour. Denn von dort aus hat man die Wahl: nach Süden schippern, über den Loug Ree, durch Athlone und vorbei am Dörfchen Banagher, ebenfalls eine beliebte Einstiegsstelle ins Hausboottour-Leben, in Richtung des immer breiter werdenden Mündungstrichters des Shannon. Oder nach Norden, wo man dann vom Shannon bald einmal rechts in den Shannon-Erne-Kanal einbiegt, der direkt in die wunderbaren Fermanagh Lakelands führt. In den Upper Loug Erne mit seinen Hundertschaften kleiner Inselchen und schließlich über das wild durch die Gegend biegende Flüsschen Erne in den großen Lower Lough Erne und seine malerische Wasserlandschaft, die ihresgleichen sucht. Allein die Lakelands zu erkunden, kann mehrere Hausbooturlaube füllen. Ein guter Ausgangspunkt dafür ist auch das Städtchen Bellanaleck, das zwischen den beiden Erne-Seen liegt.

Und all diese Mikroabenteuer unterwegs

Unterwegs begegnet einem dann so gut wie immer alles, was interessant ist und Spaß macht. Mit dem Hausboot durch Irland schippern ist eine bunte Wundertüte unbekannter Erfahrungen, neuer Endrücke und fremdartiger kleiner Abenteuer. Sightseeing ist omnipräsent, denn an den Wasserwegen und Seeufern warten zahlreiche Castles oder versponnene Museen in alten Dorfhäusern, die erkundet werden wollen. Zum Beispiel ganz oben, am nordwestlichen Ende des Lower Lough Erne, der Ort Belleek mit seinen Keramik-Werkstätten. “Belleek Pottery” ist eine echte Weltmarke. Oder Devenish Island am Südufer mit all seinen historischen Stätten. Verweilen an den Seen bietet sich jedenfalls an, die zahlreich an den Ufern verteilten Marinas und Anlegestellen der diversen Hotels bieten alles, was man braucht. Wassersport gibt es fast überall – etwa am Hodson Bay Hotel und in Quigleys Marina am Lough Ree.

Baden geht immer, aber Achtung: Irland! Das heißt: Auch im Hochsommer sind die Wassertemperaturen mit Vorsicht zu genießen. Wann immer man ein Städtchen oder Dörfchen passiert, das direkt an einem der Flussläufe liegt, findet sich irgendwo eine gute Möglichkeit, anzulegen, stets in der Gewissheit, das nächste Pub ist mit Sicherheit gleich um die Ecke. Mit dem Hausboot von Pub zu Pub zu schwappen, diese irischen Institutionen der Gastfreundlichkeit und Gemütlichkeit per Boot abzuklappern – eine ganz besondere Form des Hausbooturlaubes.

Mit dem Hausboot in Irland unterwegs sein, das kann jedenfalls was, das hat was. Es ist der Hauch einer Ahnung von der großen Freiheit, ein Anflug von Vagabundenleben, ein zarter Geschmack vom endlosen Unterwegssein, vom ziellosen Herumstreunen durch Gegend. Mit den vielen Mikroabenteuern, die an jeder Ecke warten, hinter jeder Flußbiegung und in jeder Marina, ist es eine ganz besondere Form von Urlaub. Wer das einmal gemacht hat, wird es lieben. Nicht umsonst können die Seans, die Liams, die Padraigs oder die Williams, die Einweiser der Hausbootverleiher also, Wunderstories von glänzenden Augen enthusiasmierter Touristen erzählen, die beim Zurückgeben ihrer Boote immer deutlich entspannter, gelöster und vor allem glücklicher wirken, als noch eine oder zwei Wochen zuvor beim Ablegen. +++

 

WIE MAN AN BORD GEHT

Buchen lassen sich Hausboote in Irland inzwischen problemlos über diverse Anbieter im Internet. Fast alle inkludieren auf Wunsch Transfers von und zu den Flughäfen – zumeist Dublin. Die Regel sind ein- oder zweiwöchige Touren, bei denen Ausgangs- und Zielpunkt derselbe ist, das Boot also dort zurückgegeben wird, wo man es ausgefasst hat. Einwegmieten sind in Ausnahmefällen möglich, werden von den Verleihern aber nicht so gerne gesehen. Mittlerweile gibt es eine auch in Österreich tätige Internet-Plattform namens “Boataround.com”, die sich auf die Vermittlung und Buchung von Hausbooten spezialisiert hat: “180 Hausboote in Irland haben wir im Programm”, sagt Sprecherin Anna Unterweger. Nützliche Links:

www.boataround.com

www.hausbootirland.de

www.shannon-travel.de

www.leboat.de

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Klaus Puchleitner arbeitete lange Jahre als Wirtschafts- und Innenpolitikjournalist für die Magazine FORMAT, trend und Industrie. Heute lebt er als freier Autor in Graz und Mondsee und schreibt für Medien wie trend, freizeit-Kurier, profil, bestseller oder Horizont über Wirtschaft, Reise, Politik und alle möglichen weiteren Themen. Puchleitner ist auch als Ghostwriter und Sachbuchautor tätig.